Jederzeit empfangsbereit - 350 Jahre Lichtentaler Allee print home
Baden-Badens „grüner Salon”
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Seit 350 Jahren ist die Lichtentaler Allee Baden-Badens grüne und blühende Visitenkarte. Welt-berühmt, bedichtet, überwältigend mit seiner Fülle an Blumen und Bäumen. Mal ländliche Idylle, mal eleganter Korso, aber immer ein sich stetig wandelndes Denkmal der Gartenkunst. Bis heute.

1655 lässt Moritz von Lassolaye, Kammerherr des berühmten „Türkenlouis”, eine Eichenallee anlegen, die sich vom heutigen Theater rund 800 Meter in Richtung Lichtental erstreckte. Sozusagen die Geburtsstunde der Lichtentaler Allee. Bis daraus eine der schönsten Parkanlagen Deutschlands wurde, musste aber noch fleißig geplant, gepflanzt, verschönert werden. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als das kleine Städtchen an der Oos zur bevorzugten Sommerresidenz der High Society wurde, bekam die Grünanlage ihr „Gesicht”. Mit dem Bau des Promenadenhauses (heute Kurhaus) entstand die Kastanienallee, unter deren schattigem Dach einfache Verkaufsbuden ihre Waren feilboten (die Vorläufer der heutigen eleganten Kolonnaden). Die namenhaftesten Gartenarchitekten ihrer Zeit drückten der Parkanlage zwischen „Badischer Hof” und dem Zisterzienserinnenkloster in Lichtental ihren Stempel auf. Männer wie Hofgarteninspektor Hartweg (entwarf eine „englische Anlage” zwischen Promenadenhaus und Hotel Badischer Hof) oder der berühmte Architekt Friedrich Weinbrenner, der das von ihm erbaute Kurhaus u-förmig mit Kastanien umsäumen ließ.
1823 legte der Schwetzinger Gartenarchitekt Johann Michael Zeyher die heutige Kaiserallee als festen Fahrweg an. Wo ließe es sich amüsanter promenieren, herrlicher kokettieren, intensiver flirten...

Zu einem prachtvollen Flanierboulevard wurde die Allee erst unter der Ägide der geschäftstüchtigen Spielbankpächter Jacques und Edouard Bénazet, die es sich in den Kopf gesetzt hatten, Baden-Baden zur Sommerhauptstadt Europas zu machen. Ihre Trümpfe: Nüchterne Gesunderhaltung gepaart mit kurzweiliger Unterhaltung, morgens Brunnen, abends Champagner. Sprich: Die prickelnde Verlockung der Spielbank als Belohnung für die Askese der Trinkkuren. Reize, denen die feine Gesellschaft zwischen Paris und St. Petersburg nur zu gern erlag. Fürsten und Financiers, Dichter und Dandys, Ladies und Lebedamen – für sie wurde Baden-Baden zum Boulevard der Eitelkeiten. Und wo ließ es sich amüsanter promenieren, herrlicher kokettieren, intensiver flirten als auf den berühmten „Brezelwegen”, den verschlungenen Pfaden durch die Allee, deren Windungen die Irrungen und
Wirrungen des Herzens nachvollzogen.
So verwandelte sich die ländliche Wald- und Wiesen-Landschaft im Lauf der Jahrhunderte in eine englische Parklandschaft. Mit üppig blühenden Rhododendren und Azaleen, mit der prachtvollen Lindenallee, die vom Kloster bis zum Hirtenhäuschen führt. Mit Eichen, Tulpenbäumen, Kastanien, Platanen und Erlen. Ein Spaziergang durch die Lichtentaler Allee ist zu jeder Jahreszeit ein wunderbares Naturschauspiel.
Wenn sich im Frühjahr Krokusse, Narzissen und Wildtulpen wie ein bunter Teppich den Bäumen zu Füßen legen, im Frühsommer rote und lila Rhododendren verschwenderisch zu blühen anfangen, zeigt sich Baden-Badens „grüner Salon” von seiner allerschönsten Seite. Oder ist das Spiel der Herbstfarben faszinierender? Wenn der „Indian Summer” die Blätter in allen Schattierungen zwischen Gelb und Dunkelrot verfärbt? Still und geheimnisvoll der Winter. Wenn Raureif über der Klosterwiese liegt, die Rosen in der Gönneranlage unter Tannenzweigen ihren Winterschlaf halten, Graureiher am Ufer der Oos auf Beute lauern.


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