Marienbad. Königliche Hoheit waren not very amused. Große Hitze, viel Journalisten, Trubel und Gerangel um seine Person. Prinz Edward, jüngster Sohn von Englands Queen Elizabeth II., trug allerdings den Stress bei seiner Visite im tschechischen Marienbad mit der Würde eines Royals. Zum Golfschläger aber griff er nicht. Mit seinem Besuch auf dem Gelände des Royal Golf Clubs Marienbad schlug der Prinz, wenn diese profane Redewendung erlaubt ist, zwei Fliegen mit einer Klappe. Sein Ur-Ur-Großvater Edward VII. hatte vor fast auf den Tag genau hundert Jahren die noble Golfniederlassung auf idyllischem Wiesengrund ins Leben gerufen. Das musste gefeiert werden. Also entsandte der Buckingham-Palast ein Mitglied der Königsfamilie. Dabei traf es sich gut, dass Prinz Edward, der Earl of Wessex, eine führende Rolle bei der weltweit arbeitenden Jugendförderorganisation "Edie" einnimmt. So wurde denn ein Wohltätigkeitsturnier veranstaltet und anschließend gleich auch noch ein Galadinner. Wer mitmachen wollte, musste tief in die Tasche der karierten Golfhosen greifen und 20 000 Kronen hervorholen. Hektisch ging es zu. Vor dem frisch restaurierten Clubhaus und auch draußen auf dem 18-Loch-Platz. Dort schüttelte Prinz Edward Antony Richard Louis, Earl of Wessex, Viscount Severn, Knight Commander of the Royal Victorian Order so manche Spielerhand und sagte höflich: "Nice to meet you." Mehr nicht. Bei 33 Grad Hitze war längerer Smalltalk kaum zu erwarten. Freilich aber Hofknicks und tiefer Diener seiner entzückten Gesprächspartner. Bei alledem hatte der 41-jährige Prinz zwei ganz entscheidende Vorteile. Er bekam Mineralwasser und durfte sein Haupt mit einem edlen Panamahut vor der glühenden Sonne schützen. Beides erhielten die wartenden Journalisten nicht. Dabei mussten sie sich in der Hitze dieses Nachmittages gut eine Stunde lang gedulden, bis der am Morgen aus London eingeflogene Earl in einem Golfcar seine Platzrunde gedreht und die Honeurs gemacht hatte. Interviews? Eigentlich eher nicht erwünscht. Dann aber doch ein Lächeln in mehrere Dutzend Kameras. Spielt er Golf? "Gelegentlich." Mag er Sport? "Natürlich." Tut der Prinz mitunter selbst etwas zur Leibesertüchtigung? "Eher wenig", da ihm die Zeit fehlt. Das war's. "Thank you so much" - und gemessenen Schrittes weiter zur Besichtigung der edlen Clubunterkunft. Die Medienleute, im Riesentross angereist, zeigten sich etwas verwundert über die spärlichen Informationen - und über die Sicherungsmaßnahmen, die so gut wie nicht vorhanden waren. Weit und breit kein tschechischer Polizist, nur ein paar Leute von einem offenbar privaten Wachdienst. Woanders schier undenkbar. Die "Edie"-Beauftragten durften sich freuen. Edwards Visite spülte rund zwei Millionen Kronen in ihre Kassen. "Erfreulich", wie Pavel Zalesky befand. Er und alle anderen hatten unterdessen das vom Protokoll befohlene Jackett samt Binder abgelegt. Außer dem Earl of Wessex. Der, ohne Gemahlin Sophie, geborene Rhys-Jones, angereist, behielt seinen nachtblauen Blazer an. Etikette muss sein. Auch wenn die Sonne noch so sengend vom Firmament brennt.
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